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"Musica Viva"
heißt der Chor des GV Wombach.
Am Samstag und am Sonntag Abend machte er diesem Namen beim "Festival der Klassik" alle Ehre.

Samstag Abend, 1830 Uhr, Sontag Abend, 1800 Uhr. In einer halben Stunde beginnt "Ein Festival der Klassik" in der Lohrer Stadthalle. Doch bereits jetzt hat sich ein Großteil des Publikums eingefunden. Im hinteren Teil des Saals, der sonst mit einer Ziehharmonika-Tür abgetrennt ist, sind sieben zusätzliche Stuhlreihen aufgebaut worden. Die Wartezeit bis zum Beginn des Programms vergeht kurzweilig: Auf einer großen Leinwand linkerhand von dem zusätzlich errichteten Orchesterpodest erscheinen Informationen über das eigentliche "Geburtstagskind" des Abends.

Der Wombacher Gesangverein 1899 feiert mit diesem großen Chor- und Orchesterkonzert sein 100jähriges Bestehen. Ab diesem Jahr nennt der gemischte Chor sich "Musica viva". Dirigent Robert Peter hat keine Mühen gescheut, das Konzert festlich zu gestalten. Bekannte Chöre und Arien aus Opern von Wolfgang Amadeus Mozart bis George Bizet hat er zu einem Programm der musikalischen High-Lights zusammengestellt.

Ein Orchester liefert das instrumentale Fundament: Etwa 50 jungen Studenten des Konservatoriums Kromeriz sind aus Tschechien angereist. Die Solo-Partien singen Heike Bauer, Sopran, Katja Starke, Alt, der Tenor Henning-Arfst Klocke und Michael Albert, Bass.

Die Wombacher stellen sich gleich zu Beginn mit Chören aus Opern Richard Wagners vor. Eingangs noch etwas verhalten gestaltet der Chor den "Brautchor" aus "Lohrengrin" kraftvoll. Die genauen Absprachen lassen den Text trotz der schlechten Hallen-Akustik gut verstehen, der ausdauernde Blickkontakt zum Dirgenten verrät disziplinierte Probenarbeit.

Der reine Männerchor lässt sich mit "O Isis und Osiris" aus Mozarts Zauberflöte und mit dem Chor der Schmiedegesellen aus Lortzings "Waffenschmied" hören. Allgemeine Heiterkeit erregt hier der Kromerizer Dirigent Prof. Viktor Kozanek: Rhythmisch und passenderweise mit einem Hammer schlägt er auf einem sauber gestimmten Amboss die Begleitung. Zu "Hammerschlag und Ambossklang" schmiedet er sozusagen den Takt.

Das Orchester selbst steht zu Beginn der Abschnitte, die Mozart und Albert Lortzing gewidmet sind, im Mittelpunkt. Unter Leitung seines eigenen Dirigenten beeindruckt es mit exakter Virtuosität in der Ouvertüre zu Mozarts "Hochzeit des Figaro" und klanglichem Farbenreichtum in Lortzings "Holzschuhtanz".

Alle Register ihres Könnens ziehen die Musiker im 5. Ungarischen Tanz von Johannes Brahms. Spritzig und temperamentvoll gelingt ihnen jede Synkope, jede abrupte Pause, jeder Tempowechsel. Große Klasse!

Die Solisten geben ihren musikalischen Einstand mit dem Quartett "Schlafe wohl" aus der Oper "Martha" von Friedrich von Flotow. Von Anfang an begeistern die Sänger mit ihren kultivierten Stimmen. Erste Bravo-Rufe gelten der Altistin: samtig im Klang und dennoch schlank in der Höhe gestaltet sie Mozart. Verführerisch gibt sie sich in der "Habanera" aus Carmen: "Wenn ich liebe - nimm dich in Acht!" - das glaubt man der erst 21-jähren Katja Starke aufs Wort.

Glockenrein und ausdrucksstark singt die zierliche Sopranisten Heike Bauer eine Arie aus dem "Figaro". Im Lortzing-Abschnitt beklagt sie mit witzigem Schmollmund ihr Los: "Wir armen, armen Mädchen".

Die komödiantischen Höhepunkte des Abends serviert der Tenor Klocke. Wenn der jungenhafte, schmale Mann in den Anblick des Medaillons versunken ist und als Tamino zu singen beginnt "Dies Bildnis ist bezaubernd schön", dann zweifelt keiner im Publikum an der Tiefe und Aufrichtigkeit seiner Empfindung.

Alle Musiker vereinen sich in Beethovens Schlusschor aus der 9. Sinfonie. Das einzige Stück des ansprechenden Abends, das in seiner zähen Unfertigkeit etwas aus dem Rahmen fällt. Als regelrechter Rausschmeißer dagegen gelingt der Schlusspunkt des Programms: das "Trinklied" aus Verdis "La Traviata". "Stoß an, stoß an" singt der Chor, und Sektgläser machen bei allen Beteiligten die Runde.

Nach der dritten Zugabe, dem "Radetzky-Marsch", wird auf der Leinwand eingeblendet "Wir haben fertig". Gute drei Stunden musikalische Unterhaltung werden belohnt mit großem Applaus und Bravo-Rufen eines begeisterten Publikums.

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