 "Musica Viva" heißt der Chor des GV Wombach. Am Samstag und am Sonntag Abend machte er diesem Namen beim
"Festival der Klassik" alle Ehre.
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Die beiden Chöre des Gesangvereins Wombach 1899 haben in der
musikinteressierten Öffentlichkeit einen beachtlichen Stellenwert
eingenommen. Ihre Anhängerschaft ist so angewachsen, dass es
Vorstandschaft und Chorleiter wagen konnten, am Wochenende gleich zu
zwei Konzerten in den grossen Saal der Stadthalle einzuladen. Sie war zweimal bis auf den letzten Platz besetzt.
Die Jubiläumsdevise "100 Jahre und kein bisschen leiser" birgt Kraft
und macht den vielen Sängerinnen und Sängern Mut, den von Chorleiter
Robert Peter vorgeschlagenen Weg weiterzugehen; die neue Namensgebung
"Musica viva", also "lebende, lebendige Musik" bringt Bewegung in die beiden Chöre und bewahrt gleichzeitig vor unangebrachter Resignation.
Nachdem im Sommer der "Hundertste" mit Festzug und Festzelt, aber auch mit Ausstellung gefeiert wurde, ging es am Wochenende mit Ernst zur musikalischen Sache, die seriösen Festcharakter zeigte und Musik der Klassik wie auch Romantik berücksichtigt.
Das umfangreiche, abwechslungsreiche Programm, sinnvoll in thematische Blöcke unterteilt, wurde unter der Leitung von Kreis-Chorleiter Robert Peter eröffnet mit zwei bekannten, beinahe volkstümlich gewordenen Opernchören von Richard Wagner: "Einzug der Gäste" aus dem "Tannhäuser" und "Brautchor" aus dem "Lohengrin". Obwohl es kein Vergnügen bedeutet, auf der Bühne mit den challschluckenden Vorhängenm zu singen, meisterte der bestens disponierte Gemischte Chor die akustische Tücke, sang mit Frische und Klarheit und füllte mit seinem Klangvolumen den gesamten Raum.
Die Opernszene wurde fortgesetzt mit dem Notturno "Schlafe wohl" aus der Oper "Martha" von Friedrich von Flotow. Hier stellte sich unter der Leitung von
Professor Viktor Kozanek, Direktor des Konservatoriums von Kromeriz
(Tschechien) das Solistenquartett vor: Heike Bauer (Sopran), Katja
Starke (Alt), Henning-Arfst Klocke (Tenor) und Michael Albert (Bass),
Solisten, die sehr gut miteinander stimmlich harmonierten und vom
Timbre her zueinander passten.
Klocke machte den solistischen Anfang mit der Arie "Ach so fromm" ("Martha") und verdeutlichte damit, dass ihm lyrische Partien besonders gut liegen, das notwendige Quäntchen Schauspielerei Übrigens auch. Der kleine stimmliche Schnitzer in der Höhe hat den guten Eindruck nicht gemindert und wurde wettgemacht später in der Bildnisarie aus Mozarts "Zauberflöte".
Mit der "Barcarole" für Sopran, Alt und Gemischten Chor ging dieser Abschnitt
zu Ende; eine Gelegenheit, die beiden Solistinnen rezensorisch unter
die Lupe zu nehmen. Heike Bauer, dem Lohrer Publikum seit Jahren
bekannt, verstrahlt nach wie vor den Glanz ihrer ausgezeichneten
Stimme, die alle Stimmungen birgt, dynamisch differenziert, vom zarten
Piano angefangen bis hin zur dramatischen, strahlenden Höhe, die sie
ohne Mühe schafft. Ihr zur Seite die Altistin Katja Starke, die mit
ihrem stimmlichen Ambitus für eine echte Überraschung sorgte, weil sie
sich auch in der Sopranlage bestens, anstrengungslos behaupten
konnte.
Den Mozart-Block leitete Peter ein mit Mozarts
"Figaro"-Ouvertüre, die wir unter seiner Leitung schon einmal hörten.
Das Orchester des tschechischen Konservatoriums musizierte
diszipliniert, musizierte ordentlich und sauber und es waren die
Bläser, die zur Freude empfindlicher Ohren exakt intonierten und so
das Klangbild des Orchesters entscheidend mitprägten. Frau Starke
hatte mit der trefflich gesungenen Arie des Cherubino "Non so piu
cosa son" ("Ich weiss nicht, wo ich bin, was ich tue") den herzlichen
Beifall für ein gelungenes Singen auf ihrer Seite, ebenso Frau Bauer
mit der Arie der Susanna "Deh vieni non tardar" ("O säume länger
nicht"), der sie mit warmer Stimme Seele und Leben verlieh. Mit der
Arie "In diesen heil'gen Hallen" aus Mozarts "Zauberflöte" stellte
sich Michael Albert als Bassist vor, dem Tiefe mehr liegt, als der
stimmliche Aufenthalt im baritonalen Bereich, der ihn anstrengt und
den er vorsichtshalber auch meiden sollte. Dass er sich in der
buffonesken Szene besonders wohlfühlt, hat er später im romantischen
Opernbereich unterstrichen.
Diejenigen Männer, die einstmals den Eid auf den Männerchor geleistet haben, haben ihr Treuegelöbnis erneuert mit dem "Priesterchor", ebenfalls aus der "Zauberflöte". Vom Orchester klanglich bestens gestützt, setzte der Männerchor seinen erhabenen Text in ein sympathisches spezielles Klangbild um, an dem besonders die Anhänger dieser Chorgattung ihre Freude haben konnten. Dem
Festcharakter darf eine konstruktive Bemerkung nicht zum Opfer fallen.
Es geht um die Ophoven-Bearbeitung des Schlusschores aus Beethovens
neunter Sinfonie. Dieses Chorfinale stellt jeden Laienchor vor schier
unlösbare Probleme, die auch Ophoven durch eine Bearbeitung aus der
Welt schaffen wollte. Dass er dabei mit beiden Füssen in der Pfütze
stand, wurde mehr und mehr offenbar durch unglückliches
Instrumentieren, Rollenverteilung und langweiliges Wiederholen.
Bewunderung verdient das Gesamtensemble, das mit Ausdauer den
Schiller-Text engagiert ausdeutete und mit stimmlichen Dauereinsatz
dieses Arrangement zu Ende brachte.
Die Pause liess dies vergessen.
Es ging weiter mit Opernpartien von Albert Lortzing, dirigiert von
Kozanek. Der "Holzschuhtanz" und die Arien "Lebe wohl mein flandrisch
Mädchen" (feurig, schwärmerischer Tenor), "Auch ich war ein Jüngling"
(pathetisch erzählender Bass), "Chor der Schmiedegesellen" bei dem
sich zum Klang der Männer auch der des von Kozanek gechwungenen
Hammers gesellte, "Wir armen, armen Mädchen" (trefflich und charmant
von Frau Bauer gesungen und gespielt) und "Man wird ja nur einmal
geboren" (vergnüglich ausgekostet von Klocke) erzeugten eine echte
Opernatmosphäre.
Hernach wurde es folkloristisch-feurig mit dem
Ungarischen Tanz Nr.5 von Johannes Brahms, dem " Zigeunerchor" aus
Verdis "Troubadour" und der glutvoll gesungenen Habanera aus Bizets
"Carmen", geleibt, gelebt als das verführerische Weib von Katja
Starke, ein echtes Highlight des Abends. Wer feiert, der darf auch
trinken. Den Auftakt zum feucht-fröhlichen Finale machte Michael
Albert mit "Als Büblein klein" aus der Nicolai-Oper "Die lustigen
Weiber von Windsor", gefolgt vom Trinklied aus Verdis "La Traviata".
Den Riesenbeifall, stehend gespendet, belohnte Konzanek mit dem
"Champagner-Quartett" aus der "Fledermaus" von Johann Strauss, dem
"Gefangenenchor" aus Verdis "Nabucco" und den eigentlichen
Schlusspunkt genossen das Gesamtensemble mit dem immer zündenden
Radetzky-Marsch, bei dem nach Wiener Modell rhythmisch mitgeklatscht
werden durfte.
Die Wombacher Sängerinnen und Sänger konnten vor sich und ihrem
Publikum nicht nur bestehen, sie haben ihm mit einem gelungenen
Opernabend viele musikalische Freuden geschenkt. Mit wieviel Arbeit
das Planen, Proben und Realisieren verbunden war, wissen nur die, die
dafür gearbeitet, geschwitzt und vielleicht auch gebangt haben. Ihnen
allen gebührt aufrichtiger Dank und uneingeschränkte Anerkennung.
(Text: Waldemar Hauck)
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